Zusammenfassung des Interviews mit Prof. Dr. Max von Grafenstein zum Cookie‑Manager „Consenter“ vom 17.12.2025.
In dem Interview erläutert Prof. Dr. Max von Grafenstein, CEO des Berliner Start-ups Law & Innovation Technology, die Entstehung und Bedeutung des Cookie‑Managers „Consenter“.
Das Tool wurde im Rahmen des vom BMFTR geförderten Forschungsprojekts YourPrivacyLawyer entwickelt, in Kooperation mit dem SID-Projekt. Inzwischen ist er der erste offiziell von der Bundesdatenschutzbeauftragten anerkannte Dienst zur Verwaltung von Cookie‑Einwilligungen.
Nun wird an der öffentlichen Verfügbarkeit gearbeitet, da der Consenter zurzeit nur für Chrome verfügbar ist.
Ausgangsproblem: Cookie‑Banner als unbrauchbare Einwilligungsmechanik.
Grafenstein beschreibt klassische Cookie‑Banner aus Sicht der Verbraucher*innen als nervig, unverständlich und daher praktisch nutzlos.
Die Einwilligung, als zentraler Mechanismus der DSGVO, sei im Alltag zur Farce verkommen. Desshalb fragte er sich als Datenschutzjurist: Wie müsste Einwilligung gestaltet sein, damit Nutzer*innen wirklich verstehen, wozu sie einwilligen? Denn erst so könne die DSGVO erst so bedeutungsvoll und hilfreich sein.
Außerdem: Wie muss ein Produkt gestaltet sein, damit Marktteilnehmer*innen dieses annehemen? Dabei galt es vor allem, die verschiedenen Ansprüche von Akteur*innen zu berücksichtigen um eine anschlussfähige Lösung zu finden:
- Datenschutzbehörden: rechtlichen Kriterien
- Laien: Einfachheit, Schnelligkeit, Nützlichkeit, kostenlos
- Webseitenbetreibenden: Einwilligungsrate, um Geld und Aufwand
- Zusätzliches Problem: mächtigen Unternehmen geht es auch um den Erhalt von Kontrolle und Macht
Der Forschungsansatz: Interdisziplinär und empirisch
Der Entwicklung des Consenter ging ein zehnjähriger Forschungsprozess voraus.
Wesentliche Elemente waren dabei:
- Doktorarbeit zur Frage, ob die DSGVO tatsächlich Innovation fördern kann, am Beispiel des datenschutzrechtlichen Zweckbindungsprinzips. Ergebnis: Ja, wenn man sie richtig auslegt und umsetzt
- 5-jährige Professur am Einstein Center Digital Future, mit Forschung zu… …User Experience Design (UX) und User Interface Design (UI), um Einwilligungen verständlich aufzubereiten
…Verhaltensökonomik, um empirisch zu messen, welche Designs Informiertheit und Entscheidungsqualität verbessern
Die zentrale Erkenntnis: Vertrauen in Datenschutz kann helfen Vertrauen zwischen Verbrauchenden und Anbietenden auf zu bauen, denn wenn Vertrauen & Verständnis über Datenverarbeitung besteht dann kann dies von Seiten der Verbrauchenden zu höheren Einwilligungsraten auf Websiten führen. Dies wiederum kann die Datenlage für z.B. Unternehmen verbessern (da vorrausichtlich bei datenschutzfreundlichen technischen Tools eher eingewilligt wird). Es resultiert ein möglicher Wettbewerbsvorteil.
Im weiteren Verlauf:
- Start-Up Gründung zur Entwicklung konkreter Muster war nötig aus Rechtsgründen
- Interdisziplinäres Forschungsteam zur Entwicklung konkreter Lösungen (Expert*innen aus Datenschutzrecht, UX- und UI-Desing, qualitative und quantitative Sozialforschung, Informatik, Front- und Backend-Entwicklung, Datenaufbereitung und -analyse)
Das Ergebnis: Der Cookie‑Manager „Consenter“
Der Consenter ist eine kostenlose Browser‑Erweiterung, die Nutzer*innen übersichtlich, transparent und informiert über Datenverarbeitungszwecke entscheiden lässt und Website-Betreibende unterstützt, rechtssichere und verständliche Einwilligungsbanner auszuspielen. Dabei kann der Consenter von Verbraucher*innen aber auch von Webseitenbetreibenden genutzt werden:
Consenter Agent: Verbraucher*innen können zentral vorab einstellen für welche Zwecke sie ihre Einwilligung zur Datenverarbeitung geben wollen und für welche nicht. Diese Einstelllungen werden dann automatisch an die Webseite weitergegeben die gerade besucht wird. Die Einstellungen können dann aber auch noch „vor Ort“ angepasst werden.
Consent Manager: Webseitenbetreibende können über Consent Manager überprüfen wie datenschutzfreundlich Drittanbietertools wirklich sind. So soll zu einem positiv Trend hin zu datenschutzfreundlichen Tools beitragen werden.
Der Consenter wurde in Kooperation mit dem Projekt SID entwickelt und basiert auf einem umfassenden interdisziplinären Forschungsansatz. Die offizielle Anerkennung durch die Bundesdatenschutzbeauftragte ist ein Meilenstein – weltweit der erste Dienst dieser Art:
- Die offizielle Anerkennung durch die Bundesdatenschutzbeauftragte bestätigt DSGVO-konformität des Consentors und generiert Aufmerksamkeit (da sie die ersten sind für solch ein Tool).
- Es ist wichtig, dass nur die Einbindung des Consentors durch Anbietende keine DSGVO-garantie ist. Das System fordert auf zur DSGVO-konformen Umsetzung zwingt aber nicht dazu. Ein EU-Datenschutzsiegel soll dies in Zukunft gewährleisten. Die Akkreditierung hierfür kommt voraussichtlich Anfang 2026.
- Aber: Akkreditierung von Einwilligungsagenten nur noch optional und nicht mehr verpflichtend nach § 26 TDDDG, diese Gesetzgebung wiederspricht aber dem höherrangigen Parlamentsgesetzes -> Auslegungssache
Ziel und Mission
- echte, informierte Selbstbestimmung ermöglichen
- Datenschutz erlebbar und verständlich machen
- zeigen, dass Datenschutz und Innovation sich nicht widersprechen
- der Abwärtsspirale beim Datenschutz entgegenwirken, bzw. diese umkehren und zu einem positiv Trend beitragen
- den Consentor in ganz Europa anbieten
Klicke hier für das vollständige Interview.
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